die Niederwürzbacher Schlösser


Alle Bilder dieser Seite lassen sich durch Anklicken vergrößern !

 

         Die Leyenbauten (Niederwürzbacher Schlösser)

                                                                                                           

                                                                                                                                        

                                                                                 Quelle: Saarheimat 6´ 1976 (Zeitschrift für Kultur, Landschaft, Volkstum)

Am 15. September 1765 heiratete der Reichsgraf Franz Karl von der Leyen in Mainz das Freifräulein Maria Anna Helene Josephina, Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg.
Das Ehepaar wohnte in Koblenz. Hier wurden auch ihre Kinder geboren: 1766 der Sohn Philipp Franz Wilhelm Ingnatius Petrus; 1768 die Tochter Charlotte Marie Anna Sofia und 1769 die zweite Tochter Maria Sofia Antonetta Charlotta Klara Elisabetha Thekla.

                                Bild 1                     Bild 2                                   

                                         Reichsgräfin Marianne von der Leyen                                       Reichsgraf Franz von der Leyen

Am 26. Mai 1773 verlegte der Reichsgraf Franz Karl seine Residenz von Koblenz nach Blieskastel und erhob diese zur Residenzstadt. Wohnung nahm die Famile im Schloss Blieskastel.  Dieses war in den Jahren 1661 - 1676 von Karl Kaspar von der Leyen und Damian Hartard von der Leyen auf einem Felsen oberhalb von Blieskastel errichtet worden. 

                            Bild 3           Bild 4

                       Schloss Blieskastel  Stadtseite  (Zeichnung von 1779)           Plan der Schlossanlage von M. Favart aus dem Jahre 1704

Zum Amt Blieskastel gehörte auch Niederwürzbach. Der Ort selbst, besonders aber der Weiher, war anfangs für die von der Leyen lediglich als Einnahmequelle für die gräfliche Finanzkasse von Bedeutung (Mühlzins und Fischereiertrag). Das änderte sich aber, als im Jahre 1773  Reichsgraf Franz Karl seiner Gemahlin  die Mühle und Land zu ihrer freien Verfügung überschrieb. Die Reichsgräfin Marianne hatte den Ort und den Weiher bald in ihr Herz geschlossen. Nach dem Tod ihres Gemahls im Jahre 1775  ließ sie ihren Besitz in Gestalt eines Gartens und Gartenhauses erweitern. Und da es ihr hier so gut gefiel, ließ sie noch ein neues Wohnhaus errichten.

Da die Landesmutter Gräfin Marianne oft in Niederwürzbach weilte, schenkte ihr die Gemeinde aus Dankbarkeit 1781 ein 3/4 Morgen großes Stück Land. Darauf ließ Marianne 1785/86 eine Burgruine errichten, wie sie das von ihrem heimatlichen Park von Herrnsheim her kannte und in Niederwürzbach vermisste. Und um noch weiter zu bauen kaufte sie gleich 25 Morgen Land im sogenannten Dudelsack. Durch den Verkauf von Getreide an die österreichischen Truppen, die auf dem Weg nach Brabant waren, erhielt die Gräfin genügend Geld, um weiter zu bauen. Der gräfliche Bauinspektor Reheis erbaute ein neues Landhaus und auch einige Häuser in Blieskastel. Es entstand auch eine herrliche Park- und Gartenanlage, die vom Leyenschen Hofgärtners Simon Glattfelder angelegt wurde. Entworfen hat die Anlage wohl der Gartenbauarchitekt Friedrich Ludwig Sckell, später bayerischer "Hofgartenintendant".

(Quelle:  Bild 1 und Bild 2  :  Roman Schmidt Fotoshop Blieskastel  -   Bild 3 und 4  Vonhof-Habermayr, Margit: Das Schloß zu Blieskastel. Ein Werk der kapuzinischen Profanbaukunst im Dienste des Trierer Kurfürsten Karl Kaspar von der Leyen 1652–1676. Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland, Bd. 37, Saarbrücken 1996   -gemeinfrei)   

(Seitenanfang)

 

Der Annahof

                                                                                             Bild 1                                  

Die Sägemühle, die Wohnung für den Müller und seine Familie und der Ökonomiebetrieb, den der Reichsgraf Franz 1773 seiner Gemahlin zu ihrer freien Verfügung überschrieben hatte, waren an den Sägemüller verpachtet. Für den Eigenbedarf erwarb deshalb die Gräfin Marianne 1788 ein nahe gelegenes Landhaus. Das Baudatum des Gebäudes ist bis heute unbekannt. Der Annahof, so wie er heute dem Betrachter entgegentritt, ist das Ergebnis von vier Bauphasen. Das ergab die Forschungsarbeit von Ralf Schneider, der heute als Architekt bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig ist. Der älteste Bestand (Bauphase 1) ist das noch vollkommen erhaltene Herrenhaus. Es dürfte aber nicht lange vor 1781 erbaut worden sein, da es stilistisch den gängigen Formen des Frühklassizismus entspricht. Das Gebäude war nach den Untersuchungen von R. Schneider wohl ohne Seitenflügel konzipiert.

                                                                                       

Das Herrenhaus war unterteilt  in zwei Vollgeschosse und besaß ein Walmdach. Dem niedrigen Erdgeschoss folgte ein etwas höheres Obergeschoss. Das Herrenhaus besaß einen zentralen, breiten Flur mit einem Treppenhaus. Er bildete die Querachse des Gebäudes. Zu beiden Seiten des Flurs lagen jeweils zwei Zimmer. Diesen Grundriss fand man in dieser Zeit bei Landhäusern sehr häufig.

                                                                                           Bild 2

        (Das Bild zeigt die Weiherseite des Annhofes um 1920, also vor dem Anbau des Wintergartens durch Rudolph Kröll)  

Marianne baute dieses Landhaus als Ökonomiegut um, als einen Landwirtschaftsbetrieb mit Fahr-, Milch- und Zuchtvieh und einem Vogelhaus. Das Herrenhaus wurde als Wohnraum für die Gräfin eingerichtet. In einer zweiten Bauphase wurde der bereits vorhandenen Mitteltrakt durch zwei Rundflügel ergänzen. Dadurch entstand ein ovaler Hof. Zwei viereckige, massive niedrige Türme mit Zeltdächern flankierten die Hofeinfahrt.
 

                                   

Eingebunden war dieses Bauwerk in eine planmäßig angelegte Gartenlandschaft. Hier standen auch einige Gartenbauten. Neben der schon erwähnten Burgruine  ließ die Gräfin u.a. einen zeltartigen Pavillon  („Türkenzelt“) und einen chinesischen Turm errichten.

                                                       

Am 14. Juli 1789 brach in Paris die Revolution aus. Als die Nachricht davon unsere Region erreichte, verbreitete sich in den Herrschaftsschlössern von Blieskastel, Saarbrücken und Homburg Angst und Schrecken. Im Dezember des Jahres 1792, als man begann Sicherherheitsvorkehrungen für einen Krieg zu treffen, gab die Gräfin Marianne von der Leyen den Annahof und ihr Gut "Bon Voisin", den Roten Bau, an die Hofkammer ab. Sie nahm dafür das "Kleingut Schwesterntal" im heutigen Schwesterntal in ihren Privatbesitz. Durch diese Maßnahme sind die beiden Gebäude nicht durch die französischen Revolutionstruppen zerstört worden, sondern nur das Gut Schwesterntal.   

Am 2. September 1807 kaufte Johann Jakob Schaller bei der Versteigerung der Leyengüter neben der Mühle mit dem Weiher auch den Annahof.  Im folgenden Jahr, am 24. April 1808, verpachtete er ihn an seinen Schwager Pierre Jungblut. 1828 verstarb Johann Jakob Schaller und hinterließ seinen Besitz seiner Frau, die ihn 16 Jahre lang bewirtschaftete. 1844 teilte sie dann ihren Besitz unter ihren Kindern auf. Ihr Sohn Felix, er war Landwirt, bekam die Äcker, die Wiesen und den Wald um den Annahof. Und er kaufte dazu von seinem Bruder Erwin noch den Annahof, den dieser geerbt hatte. Felix Schaller war 20 Jahre lang Bürgermeister in Niederwürzbach (1848 - 1868). Wer anschließemd Besitzer des Annahofes war, ist bis heute nicht bekannt.                                                                                                        
Rudolf Kröll, der Großvater der heutigen Besitzerin und Generaldirektor der Völklinger Eisenwerke, kaufte 1917 neben dem Weiher mit der Mühle auch den Annahof. Er ließ ihn 1920 in einer dritten Bauphase grundlegend renovieren und vergrößern. Im Herrenhaus ließ er das Treppenhaus verlegen und einen Wintergarten anbauen.

                                                                                               

Zudem wurden die halbrunden Seitenflügel  auf doppelte Gebäudetiefe vergrößert und vier Türme an der Nordseite des Gebäudes errichtet. Einer von ihnen wurde im Verlauf des Zweiten Weltkrieges durch Granatenbeschuss zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Nach seinem Ableben im Jahre 1928 ging der Besitz auf die Erbengemeinschaft Kröll über. Das waren Sophie Kröll und ihre Kinder Katharina, Luise und Edmund. Ab dem Jahre 1949 bewirtschaftete Otto Knoke zusammen mit seiner Frau den Hof bis zu seiner Pensionierung. Im Jahre 1986 kauften dann Jürgen und Doris Kaffke, die Tochter von Otto Knoke den Annahof von der Erbengemeinschaft Kröll.

In den folgenden Jahren ließ die Familie Kaffke den Annahof wiederum grundlegend renovieren. Das war die vierte Bauphase. Im Ostflügel wurde ein Hotel eingerichtet, im  Westflügel ein Restaurant. Das Restaurant Annahof besitzt einen schönen Biergarten mit Blick auf den Weiher und ist heute ein gern und viel besuchter Ort. 

 

                                            

 

(Quelle:  Bild 1   S. Allgayer   Nd.würzbach  -  Bild 2  Stadtarchiv Blieskastel Fotosammlung  4927)

 

(Seitenanfang)

                                                            

Landhaus "Bon voisin" (Roter Bau)

                               Bild 1               Bild 2           

 

                                                                                                                 Bild 3  

                                                                                                                        

Nachdem die Gräfin Marianne das Landgut „Mon plaisir“ mit der Mühle und einigen Gärten, den Annahof mit Wohngebäude und landwirtschaftlichen Betrieb besaß, ließ sie noch ein drittes Projekt anlaufen. Auf der dem Annahof gegenüber liegenden Weiherseite wurde ein Landhaus erbaut. Neben der Gräfin war auch noch ein zweiter Bauherr an dem Bauprojekt beteiligt. Es war ein Geistlicher, der im Schloss in Blieskastel lebte und wahrscheinlich der Beichtvater der Reichsgräfin war. Dieser Kanoniker namens Farogart fand, wie die Gräfin Marianne, den Weiher und seine Umgebung wunderschön. Er wünschte deshalb auch dort wohnen zu dürfen. Da der geistliche Herr einen finanziellen Beitrag zur benötigten Bausumme beisteuerte (die gräfliche Kasse war meist leer), konnte der Ökonomiehof zwischen 1788/91 errichtet werden. Dem Kanoniker Farogarden zu Ehren erhielt er den Namen „Bon voisin“ (Guter Nachbar). Der Canonicus  wohnte aber wohl nicht lange in den Landhaus. Im Grundsteuerkataster des Jahres 1844 wird die Anlage als "rothe Hof genannt Bonvoisin am Neuweiher" angegeben. 1836 taucht im topographischen Plan der Name "Rotherhof" aus. Wegen seines roten Anstrichs wurde das Landhaus wohl so bezeichnet. Heute heißt er "Roter Bau".

Das gräfliche Landhaus besteht aus einem eingeschossigen, rot verputzten Wohnbau mit einem Mansarden-Walmdach. Zum Weiher hin erhebt sich der Bau auf einem hohen Sockelgeschoss. Hier befindet sich ein großer, gewölbter Keller. Zehn Fenster blicken auf den Weiher. Auf der Hofseite gibt es drei Eingänge ins Gebäude und fünf Fenster. Das rundbogige Hauptportal mit seinem wuchtigen Dreiecksgiebel ist das imposanteste Architekturteil des Gebäudes. Ursprünglich war das Hauptgebäude nur durch einen schmalen Landstreifen vom Weiher getrennt. Erst durch den Bau der Eisenbahnstrecke und des Bahnhofes (um 1860) wurde das Gebäude weiter vom Weiher weggedrängt.  Der gesamte Bau ist ein charakteristisches Beispiel einer sogenannten separierten (getrennten) Anlage. Das bedeutet, die einzelnen eingeschossigen Wirtschaftstrakte sind nicht miteinander verbunden. An den Mittelbau schließen sich seitlich  niedrigere Wirtschaftshöfe an. Sie dienen als Flügelbauten. Dadurch wird der Innenhof dreiseitig umschlossen. Diese Remisen dienten als Gebäude für Kutschen, Schlitten, Pferdewagen und Stallungen. Die sogenannte Beletage (die am besten ausgestattete Wohnung) war die Wohnung der Gräfin.
 

                                                      

Am 22. Mai 1805 erwarb der damalige Privatsekretär des Grafen Philipp Johann Jakob Schaller neben anderen Anwesen des Leyen-Hauses auch das Maison rouge, den Roten Bau. Seine Frau verstarb 1811. Schon 1 Jahr später heiratete er die 22 jährige Sophia Damiana, die Tochter des Leyen'schen Haushofmeisters Franz Best aus Blieskastel. Sie war bald sehr beliebt und wurde nur die "Schallerch Madam" genannt. Johann Jakob Schaller verstarb am 22.03.1828. Seine Frau erbte auch den Roten Bau. 16 Jahre später, im Jahre 1844, verteilte sie dann ihren Besitz an ihre Kinder. Ihr Sohn Josef erhielt den Roten Bau.
Um 1900 wohnte der Direktor der Würzbacher Backsteinfabrik, Kraft im Roten Bau und hier waren auch Arbeiterwohnungen. Bewohner in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts waren die Familien Kraft, Adolf Schöpsdau, Heinrich Rinck und Heinrich Friedhoff. Die drei letztgenannten haben alle in der Backsteinfabrik gearbeitet.    
Trat man durch den mittleren Eingang wohnten auf der rechten Seite die Familie Kraft mit ihrem Sohn René. Auf der linken Seite befand sich die Direktion der Backsteinfabrik. Trat man durch die linke Haustür ein, so wohnte auf der rechten Seite Adolf Schöpsdau. Er war der Großvater mütterlicherseits von Adolf Friedhoff.  Auf der linken Seite wohnte die Familie Heinrich Rinck mit ihren Kindern. Nachdem die Rincks 1935 in ein eigenes Haus umgezogen waren, zog  Heinrich Friedhoff mit seiner Familie in die freigewordene Wohnung. Auch sie zogen nach einiger Zeit sie in ein neugebautes eigenes Haus.

Später erwarb die damals selbständige Gemeinde Niederwürzbach den Roten Bau mit den Wohnungen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges fanden verschiedene Niederwürzbacher Bürger, deren Häuser beschädigt oder zerstört waren im Roten Bau Wohnung.

                                                              Bild 4

Im Jahre 1964 kaufte der Niederwürzbacher Karl Priester den Bau von der Gemeinde. 1967 erwarb dann die Firma Volk aus Sankt Ingbert ihn von Karl Priester. Nach dem Konkurs dieser Firma ging der Rote Bau wieder an die Gemeinde über. Diese ließ ihn am 17. Januar 1972  in Blieskastel versteigern. Ein Verwandter der Familie Volk, Herr Lechhorn erwarb den Besitz. In der Folgezeit ließ die Familie Lechhorn den ziemlich herunter gekommenen Bau innen und außen vorbildlich renovieren. Die beiden Seitengebäude erhielten neue Dächer. Der Rote Bau ist heute wieder ein sehenswertes historisches Gebäudes aus der Leyenzeit in Niederwürzbach und bietet Wohnraum für mehrere Familien.

 

(Quelle: Stadtarchiv Blieskastel  Bild 1 Fotosammlung  4927  -   Bild 2 Fotosammlung  7043 -   Bild 3  Peter Welsch Niederwürzbach - Bild 4 Josef Noll Niederwürzbach)

                                                                                                                                 

(Seitenanfang)

 

Schloss Philippsburg (Neuphilippsburg)

Am 1. August 1766 erblickte Erbgraf Philipp von der Leyen das Licht der Welt. Nach dem Tod seines Vaters Reichsgraf Franz Karl von der Leyen am 26. September 1775, wurde er Landesherr. Da er jedoch erst 9 Jahre alt war, übernahm seine Mutter, die Gräfin Marianne, die Landesregierung. Gleichzeitig wurde sie auch Obervormund ihres Sohnes.
Im Jahre 1780 läßt König Ludwig XIV. dem jungen Philipp jährlich 100.000 Franken für die Unterzeichnung eines Gebietstauschabschlusses zukommen. Nun hatte der junge Graf genügend Geld zur Verfügung.                              

Beeindruckt von dem in Bau befindlichen Schloss Carlsberg bei Homburg, beschloss Erbgraf Philipp von der Leyen 1782 seinem bewunderten Vorbild dem Zweibrücker  Herzogs Carl II. August zu folgen. Er beschloss ebenfalls außerhalb der eigentlichen Residenz Blieskastel ein Landschloss zu bauen. Unweit des Niederwürzbacher Weihers, aber auf der Gemarkung von Ommersheim entstand so bis 1788 Schloss "Neuphilippsburg",  quasi als Pendant zur "Philippsburg" bei Koblenz, dem Wohnsitz seiner Vorfahren.

Im Jahre 1788 war das Schloss in der Hauptanlage fertiggestellt.

 

                                         

                                                                                           

                                                                                            (Digitale Rekonstruktion Schloss Philippsburg)

Der Schlossbau bestand aus vielen  Gebäuden unterschiedlicher Höhe, die sich am Berghang oberhalb des Weihers erstreckten. Ein Rundturm mit einer mächtigen Dachhaube flankierte einen siebenachsigen Schlossflügel. Wahrscheinlich war das der Hauptfügel gewesen. Der Hauptbau des Schlosses soll wahrscheinlich viergeschossig gewesen sein und ein Glasdach gehabt haben. Mehrere Nebengebäude waren angeschlossen: die Eulenburg, je zwei Kapellen und Eremitagen, ein Komödienhaus, ein Treibhaus, eine Fasanerie, ein Schweizerhof, ein Marstall und die Bagatelle.  

                                                      

                                                                                                        Legende zum Lageplan der Philippsburg                                                                                  

                                                  1. Auffahrt    2. Marstall und Remisen   3. Hof   4. Torhaus (so genanntes Gesindhaus)
                                                  5. Schlosshof   6. Küchenbau (Eulenburg)   7. (Neue) Schlosskapelle   8. Schlossturm
                                                  9.  Wohnflügel   10. Bildersaalbau   11. Festsaalbau   12. Gartenterrasse mit Weiherblick
                                                13. Gartenpavillon ?   14. Waldpark

(Quelle: Ralf Schneider  Die Englischen Gärten am Niederwürzbacher Weiher)

Zu Beginn des Jahres 1793 fielen die französischen Revolutionstruppen auch über unser Gebiet her und plünderten und demolierten auch die Philippsburg. Die Gräfin Marianne musste fliehen. Ihr Sohn Philipp hatte sich schon vorher mit seiner Frau und seinem Sohn nach Heusenstamm zu seinem Schwiegervater in Sicherheit  gebracht.      

Der Gärtner Schaller, er war von der Gräfin Marianne vor ihrer Flucht zum Verwalter eingesetzt worden, wachte nun über das geplünderte und teilweise demolierte Schloss und die anderen Gebäude. Er wollte es für den Erbgrafen bewahren. Im Herbst kamen jedoch die Revolutionstruppen zurück, schleppten alles was im Schloss noch vorhanden waren weg und zerstörten es dann völlig. Erhalten blieben nur einige Kellergewölbe und  das ehemalige Gesindehaus. Der ursprünglich zweigeschossige Bau wurde allerdings später äußerlich etwas verändert und ein drittes niedriges Geschoss aufgesetzt.
 

                                             Bild 1                    Bild 2                                                                

Seit dem  2. Dezember 1804 regierte Napoleon Frankreich als Kaiser. Auf seinen Bescheid hin wurde im Juni 1804 die Zwangsverwaltung des leyenschen Besitzes aufgehoben. Fürst Philipp verkaufte am 2. September 1807 Wiesen und Wälder, die Weihermühle und den Annahof an seinen Privatsekretär Johann Jakob Schaller. Dieser erhielt außerdem kostenlos vollkommen zerstörte und verrottete unbewegliche Güter. Um alles  wieder einigermaßen brauchbar zumachen war viel Geld notwendig. Das war aber nicht vorhanden. Fürst Philipp erlaubt ihm, die alten Remisengebäude abzureißen und das Material nach eigenem Gutdünken zu verwenden oder zu verkaufen. Zu den kostenlos überlassenen Gütern gehörte sicherlich auch die völlig zerstörte Phillippsburg. Schaller konnte nun die Steine des zerstörten Schlosses an die Würzbacher veräußern, die freudige Abnehmer waren. Konnten sie doch  damit ihre Häuser bauen.

                                                            

Johann Jakob Schaller versuchte nun in der Folgezeit das zu erhalten, was noch zu retten war. Um sich die Arbeit zu erleichtern stellte er den jungen  Würzbacher Johann Degel als Gehilfen ein. Dieser war später zuständig für den Waldbesitz, die einzige Einnahmequelle, die das notwendige Geld brachte, um das Personal zu bezahlen und die Schäden am Gesindehaus ausbessern zu können. Johann Degel und sein Sohn Philipp Jakob, er übernahm später das Amt des Waldhüters von seinem Vater, wohnten auf der Philippsburg.
Johann Jakob Schaller starb am 17. Juni 1815 auf der Philippsburg. 

Von 1845 bis 1891 gehörte das heute als Philippsburg  bezeichnete Gesindehaus der liberalen Familie Cullmann. Die liberalen Anwälte Christian und August Ferdinand Cullmann verteidigten Freiheitskämpfer, die 1838 beim Hambacher Fest mitgewirkt hatten, und gehörten beide später der Bayerischen Ständeversammlung an. August Ferdinand war ab 1848 auch Mitglied in der verfassungsgebenden Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt. Nach der gescheiterten Unabhängigkeitserklärung der Pfalz von Bayern  (1849) flüchtete August Cullmann nach Frankreich und wurde 1851 wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach einer Generalamnestie Ludwig II. konnte er 1864 zurückkehren. Seit 1879 betrieb er die Grube Frankenholz und machte sie mit über 3000 Beschäftigten zur Größten im Südwesten. Cullmann starb als hochgeachteter Mann 1891 auf seinem Gut Philippsburg. Kurz vor seinem Tod wurde August Ferdinand alleiniger Besitzer der Philippsburg, als er den Anteil seines Bruders Christian erwarb.

Der letzte aus der Familie Degel der auf der Philippsburg lebte, war Johann Degel, ein Sohn von Philipp Jakob. Er war ebenfalls Waldhüter und übte diese Tätigkeit bis zu seinem Lebensende im Jahre 1919 aus.

Waldhüter und Förster auf der Philippsburg war lange Zeit auch Heinrich Hemmerling. Er war das älteste Kind aus der Ehe von Sophie Christina Degel und Jakob Hemmerling. Nach dem Tod seines Vaters zog er mit seiner Frau (geborene Katharina Becker) und seinen 4 Kindern auf die Philippsburg und wohnte dort 32 Jahre. Er starb am 8. Januar 1955, seine Frau am 21. Januar 1967.

Nach dem 1. Weltkrieg besuchten zwei französische Familien, die die Besitzer der Philippsburg waren, jedes Jahr die Burg und verbrachten hier ihren Urlaub. Die Familien hießen  Gunz und Bernard. Sie waren Enkel von August Ferdinand Cullmann und Töchter von dessen Sohn Friedrich. 1926 verkauften dann die beiden Familien Gunz und Bernard die Philippsburg und den Landscheider Wald an den St. Ingberter Fabrikanten Kommerzienrat Otto Kaiser.

In der Folgezeit wohnten mehrere Familien mehr oder weniger lange auf der Philippsburg: die Familie Blum, eine Frau Selzer und die Familie Kolb.

In der Zeit kurz vor Ende des 2. Weltkrieges suchten mehrere Würzbacher Familien Schutz in einem Stollen nahe der Philippsburg. 

Nach 1945 war die Philippsburg wiederum Wohnsitz für verschiedene Personen und Familien. So wohnten hier z.B. von 1963 bis 1966 eine Familie Müller und von 1966 bis 1980 die Familie Rieger. Die letzten Bewohner waren die Familie Penthin. Er ist in Pommern geboren, sie in Ostpreußen. Sie flohen vor den russischen Truppen und gelangten nach einer langen Reise mit Zwischenaufenthalt in Sachsen-Anhalt 1957 ins Saarland. Seit März 1959 wohnten sie auf der Philippsburg. Hier wurde am Heilig Abend des gleichen Jahres ihr Sohn Jörg geboren. Die Familie Penthin lebte 41 Jahre hier bis zum Jahre 2000. Dann siedelten sie nach St. Ingbert um. 

Die heutigen Besitzer sind Otfried und Elisabeth Reiland-Kaiser, deren Familie seit mehr als 80ig Jahren im Besitz der Philippsburg ist..        

                                                                                                            

Quellenangaben:

Eduard Vogelgesang    "Aus Niederwürzbachs Geschichte"

Peter Degel  "Mon Plaisir, Annahof, Bon Voisin" in Rund um den Weiher  7. Folge September 2002)     

Peter Degel  "Die Phillippsburg" in Rund um den Weiher  6. Folge Oktober 2000)   

Ralf Schneider „Die Englischen Gärten am Niederwürzbacher Weiher“  Röhrig Universitätsverlag St. Ingbert  2007         

Martin Klewitz: Kunst im Saarpfalz-Kreis, in: Der Saarpfalz-Kreis, Stuttgart 1993, S. 153- 183.

W. Krämer   „Zur Geschichte des Gräflich-Leyenschen Lustschlosses bei Niederwürzbach“

Aufzeichnungen von Seppel Allgayer Niederwürzbach

Wikipedia  "Leyen (Adelsgeschlecht) "

Thomas J. Abel Perl  "Die Niederwürzbacher Schlösser"


(Quelle für die drei verwendeten Bilder Digitale Rekonstruktion Schloss Philippsburg: Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Gerhard Philipp, 10.02.2009.Lizenz: "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland in Version 3.0 (CC-by-sa 3.0/de). Via Wikipedia.de)

(Quelle:  Bild 1  Stadtarchiv Blieskastel  Fotosammlung  4928  -   Bild 2  Seppel  Allgayer Niederwürzbach)

                                                                                         

Alle Bilder dieser Seite lassen sich durch Anklicken vergrößern !